Geschichte - Internationales Dialektinstitut

Geschichte

  • Das IDI, Internationales Dialekt Institut, mit Sitz in Niedernsill, Österreich, ist ein Zusammenschluss von ca. 130 Dialektautorinnen und -autoren sowie Organisationen, die sich die Förderung von Dialektliteratur und den Einsatz für Minderheitensprachen in Zentraleuropa auf die Fahne geschrieben haben. Die Mundarten der Schreibenden gehören fast ausschließlich dem deutschen Sprachraum an, der sich von Frankreich bis Ungarn und von der Nordseeküste bis Norditalien erstreckt.

  • 1974 fand eine erste internationale Arbeitstagung für Mundartliteratur auf Einladung von Dr. Hans Haid in Obergurgl (Ötztal, A) statt. Eingeladen waren literarisch führende Autorinnen und Autoren, die zumeist der gesellschaftskritischen Richtung der „Neuen Mundart“ zuzuordnen waren. Wichtige Vertreter aus Frankreich waren z.B. der Elsässer André Weckmann und Pierre Garnier, der Nachfolger des 1. Präsidenten, Fernand Hoffmann aus Luxemburg, wurde. Vorträge von Mundartautoren, Verlegern, Wissenschaftlern und Medienvertretern prägten den „Geist von Obergurgl“, der Basis für ein anhaltendes Einheitsgefühl wurde.

  • 1976, bei den Internationalen Dialekttagen in Krems (A) wurde das IDI als Verein gegründet mit Vereinssitz und Geschäftsführung  in Wien. Es sollte als internationale und interdisziplinäre Forschungs- und Dokumentationsstelle für Dialekt, Dialektliteratur und Minderheitensprachen fungieren. In den folgenden Jahren wurde es ausgeweitet zum „Institut für regionale Sprachen und Kulturen“. Schwerpunkte der Arbeit waren die Erfassung und Förderung neuer Tendenzen der Dialekt-, Minderheiten- und Regionalliteratur („neue Dialektdichtung“, „neue Heimatdichtung“, „Dialektlied“, „Liedermacher und politisches (Volks)-Lied“, „Volkstheater“), die internationalen Kontakte mit Einrichtungen ähnlicher Zielsetzung, mit AutorInnen, WissenschaftlerInnen, Medien usw., die interdisziplinäre Forschung und Praxis zum Beispiel in den Bereichen „Sprache und Macht“ sowie die Förderung und Stärkung regionaler Identität, insbesondere bei Minderheiten und in benachteiligten Regionen. Der Anspruch war politisch und führte konsequent zu einer Abgrenzung gegen die traditionelle Heimatdichtung.

  • 1978 folgten die Internationalen Dialekttage in Rothenburg ob der Tauber (D), wo der Verleger Bernhard Doerdelmann in der Folge seine „Mundartliterarische Reihe“ im Verlag J. P. Peter, Gebrüder Holstein herausgab – eine legendär gewordene Bibliothek hochwertiger Literatur quer durch die Dialekte. Eine IDI-Ton-Reihe wurde gegründet mit Audiomedien wie „Lieder zur Umwelt“ (1970), Kassetten mit Texten und Liedern bekannter AutorInnen bis zu Folk- und Volksliedern, Widerstandsliedern zum Thema Nationalsozialismus oder Liedern und Tänze der Roma in Österreich. Die gedruckte „IDI-Information“ wird seit Gründung mindestens zweimal jährlich an die Mitglieder verteilt; sie hielt und hält bis heute die Mitglieder auf dem Laufenden, bringt auch Gedichte, Besprechungen, Prosatexte, Essays und wissenschaftliche Artikel. Inzwischen ist diese  lesenswerte Publikation bei der Nummer 104 angelangt. Die Dokumentation der Veröffentlichungen in und über Dialekt wuchs rasant an, wurde mehrmals verlagert und 2016 mit mehreren tausend Exponaten dem „Internationalen Mundartarchiv Ludwig-Soumagne“ in Dormagen-Zons angegliedert.

  • 1980 folgten die Internationalen Dialekttage in Basel und Luzern (CH). Der Schweizer Julian Dillier übernahm das Präsidentenamt. Es folgten Tagungen in Strasbourg (F-1982), in Eggenburg (A-1984), Bad Bevensen (D-1986), Krefeld (D-1988), Glurns (I-1990), Innsbruck (A-1992), Koprivnik (Slowenien-1994), Wien (A-1996), Vigo di Fassa (I-1998), Bregenz (A-2000), wieder in Innsbruck und dazu in Zusammenarbeit mit der Organisation „Pro Vita Alpina“ an kleineren Orten in Italien (Aosta und Baio Dora) sowie in Gap (F- 2002), in Längenfeld (A-2004). Dazwischen, in den ungeraden Jahren, wurden Werkstattgespräche und kleinere Tagungen organisiert oder Festivals besucht. 1992 wurde der Sitz des IDI nach Innsbruck verlegt zur sagenumwobenen Kulturkneipe „Bierstindl“ am Berg Isel. Der Tiroler Hans Haid, Motor und Mitbegründer, folgte Dillier als Präsident nach. Seit 2006, gewählt auf einer erneuten Tagung in Innsbruck, hat der Südbadener Markus Manfred Jung dieses Amt inne, Hans Haid wurde zum Ehrenpräsidenten gekürt. Es folgten Tagungen in Mäder (A-2008), Müllheim, Südbaden (D-2010), Meran (I-2012), Freistadt (A-2014), Wangen im Allgäu (D-2016) und zum zweiten Mal Rothenburg ob der Tauber, mit einer Verbeugung vor den Größen fränkisch-hohenlohischer Dichtung, Gottlob Haag und Wilhelm Staudacher (D-2017). 2018 wird eine Tagung in Langenlois (A) stattfinden, ganz in der Nähe von Krems, wo das IDI 1976 gegründet wurde.
  • Das IDI unterstützt logistisch und finanziell Mund-Art-Tagungen und Veranstaltungen, wo auch immer Mitglieder beteiligt sind, z.B. im Vorarlberg oder im südbadischen Schopfheim. Es sieht sich als Vermittler zwischen den literarisch Schreibenden im Dialekt sowie wissenschaftlichen und politischen Organisationen. Unterstützt wird es durch den Österreichischen Staat und von regionalen und lokalen Behörden und Sponsoren. Der Auftritt im Internet (www.idi-dialekt.at) ist im Aufbau. Erreichen kann man die Verantwortlichen über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die literarische Mundart-Tradition des Elsass wird im Moment im IDI vertreten durch Edgar Zeidler und Jean-Christophe Meyer. Weitere Mitglieder sind Emma Guntz, Eugène Philipps, und der René-Schickele-Kreis mit Jean-Marie Woehrling.

 

  • 1974: Erste internationale Arbeitstagung für Mundartliteratur auf Einladung von Dr. Hans Haid in Obergurgl (Ötztal, A)
    • Vorträge von Mundartautoren, Verlegern, Wissenschaftlern und Medienvertretern
  • 1976: Internationale Dialekttage in Krems (A). Gründung des IDI als Verein. Vereinssitz und Geschäftsführung  in Wien. Prof. Fernand Hoffmann (Luxembourg) wird erster Präsident
  • 1978: Internationale Dialekttage in Rothenburg ob der Tauber (D)
  • 1980: Internationale Dialekttage in Basel und Luzern (CH)
  • 1982: Internationale Dialekttage in Strasbourg (Alsace, F)
  • 1984: Internationale Dialekttage in Eggenburg (NÖ, A)
  • 1986: Internationale Dialekttage in Bad Bevensen (D)
  • 1988: Internationale Dialekttage in Krefeld (D)
  • 1990: Internationale Dialekttage „Literatur der kleinen Völker“ in Glurns (Südtirol, I)
  • 1992: Internationale Dialekttage „Neue Dialekt- und Regionalliteratur“ in Innsbruck (A)
    • Vereinssitz wird nach Innsbruck verlegt
  • 1994: Internationale Dialekttage in Koprivnik (SLO)
  • 1996: In Zusammenarbeit mit Ö.D.A.: Tagung „Musik und Poesie“ in Wien (A)
  • 1998: Internationale Dialekttage in Vigo di Fassa (Trient, I)
  • 2000: Internationale Dialekttage im Bregenzerwald (Vorarlberg, A)
  • 2002: In Zusammenarbeit mit Pro Vita Alpina: Exkursion und Tagung Innsbruck (A) – Aosta (I) – Baio Dora (I) – Gap (F)
  • 2004: In Zusammenarbeit mit “Freistaat Burgstein” int. Fachtagung in Längenfeld (Ötztal, A)
  • 2008: Internationale Dialekttage in Mäder (Vorarlberg, A)
    • Dr. Hans Haid wird zum Ehrenpräsidenten ernannt
  • 2010: Internationale Dialekttagung in Müllheim (Baden, D)
  • 2012: Internationale Dialekttagung in Meran (Südtirol, I)
  • 2014: Internationale Dialekttagung in Freistadt (A)

In den Jahren zwischen den internationalen Tagungen wurden Werkstattgespräche, Arbeitskreise oder Fachtagungen abgehalten, meist in Verbindung mit der Generalversammlung.

Präsidenten des IDI:

  • Fernand Hoffmann (1929-2000), Luxembourg
  • Pierre Garnier (1928-2014), Frankreich
  • Julian Dillier (1922-2001), Schweiz
  • Hans Haid (*1938), Österreich
  • Markus Manfred Jung (*1954), Deutschland

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